Zur Gestaltung der Preis-Trophäe

"Die Trophäe regt den Betrachter dazu an, sich auf Konzept und Sinn der Bühne immer wieder neu und neugierig einzulassen. Sie versinnbildlicht damit die Zielsetzung des Opus und das Wesen der Bühnentechnik ."
Karin Winkelsesser, Chefredakteurin des Fachmediums Bühnentechnische Rundschau

Bühnenbildner, Lichtdesigner, technische und kreative Planer setzen sich täglich mit der Frage auseinander, wie sie mit ihren Mitteln dazu beitragen können, das Kunstwerk als Erlebnis für das Publikum wirkungsvoll zu inszenieren. Dieser beruflichen Herausforderung ist der "Opus - Deutscher Bühnenpreis" gewidmet.

Die Auszeichnung würdigt herausragende Leistungen auf diesem Gebiet und verleiht dem auch in Form der Preis-Trophäe Ausdruck. Nicht ohne den Hintergedanken, den mit dem Preis ausgezeichneten Bühnenprofis das eingangs geschilderte Eintauchen in die inszenierten Gefühlswelten in Gestalt der "greifbaren" Skulptur als Dank für diese wunderbare Wirkung zurück zu geben.

Aus Aluminium gestanzt und im Eloxalbad, einer elektrochemischen Technik zur Oberflächenveredlung, in mattes Schwarz getaucht - so steht "der" Opus da: ein rund 20 Zentimeter hoher, zehn auf zehn Zentimeter breiter Kubus. Er ist der Maquette eines Bühnenhauses nachempfunden, so wie er sich als "Guckkastenbühne" aus der Tradition des Hoftheaters im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelt hat.

Die Struktur der Bühne ist auf ihre Grundelemente reduziert, die den Bühnenraum je nach Konstellation verwandeln und neu definieren: Der Opus besteht aus einer stabilen "Unterbühne", in die im Abstand von rund einem Zentimeter vier Kulissenrahmen gesteckt sind. Die Öffnungen der vorderen drei Rahmen verjüngen sich jeweils und formen einen "tiefen" Bühnenraum mit Vorder- und Hinterbühne, der von der Rückwand begrenzt wird.

Die einzelnen Rahmen sind bewusst als lose Elemente angebracht und laden zum spielerischen Umstecken ein: Auf diese Weise wird etwa die Vorder- zur Hinterbühne. Oder es lässt sich die im kompletten Zustand als klassische Guckkastenbühne zu erkennende Maquette in ein freistehendes Podest in Shakespeare'scher Tradition umwandeln oder zur durchgängig offenen Bühne, die den Blick ins Endlose freigibt. Die wandlungsfähige Trophäe ist damit auch eine Reminiszenz an die Tradition des Bühnenbaus und des Spiels mit Licht und Schatten.

Jürgen Weis hat diese Elemente seiner Gestaltung der Opus-Trophäe zu Grunde gelegt. Der Diplom-Designer ist Leiter der Abteilung Designmanagement bei der Messe Frankfurt. Als er zur Gründung des Preises im Herbst 2001 vom Kuratorium mit dem Entwurf für die Auszeichnung betraut wurde, faszinierte ihn der Gedanke, die "technische und gestalterische Vielfalt von Bühneninszenierungen und Events in einer Skulptur auf das Wesentliche zu reduzieren", erläutert Jürgen Weis seine Entwicklung vom Konzept zum Objekt. "Das Schwarz und die konstruktivistische Schlichtheit des Opus sollen das Wesen der Bühne und das des Preises symbolhaft widerspiegeln: Licht und Schatten im Raum - das Handwerkszeug, mit denen Profis Bühnen in Erlebnisräume verwandeln."

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